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MATHILDE

Spieglein, Spieglein:

Pussy-Tuning ist en vogue

Früher war sie nackt wie die Natur sie schuf.
Body-Modification (BodMod) und Body -Tuning sind die Schlagworte im Zeitalter des Designs.

Ist der Bauch zu dick, wird gehungert oder Fett abgesaugt. Ist die Brust zu schlaff, werden Kissen eingebaut, damit die Spitzen wieder nach oben zeigen wie junge Knospen. Es gehört schon fast zum guten Ton, Fältchen zu entfernen und Augenlider zu liften. Pop-Idole wie Cher und Michael Jackson zeigen uns, wie ein Körper frei von Alter und Herkunft modelliert werden kann.

Bisher waren die intimen Regionen noch ein Tabu im allgemeinen Schönheitswettbewerb. Mit der Entwicklung des Internet und dem freien Zugang zu Pornografie wird jede Falte und Furche eines Körpers beleuchtet und in hohen Auflösungen dargestellt. Penisverlängerungen für Männer werden auf dem globalen Markt gehandelt, seit es Spam-Mails gibt. Die rasierte, weibliche Scham gibt den Blick frei auf dunkle Höhlen und mit intimen Piercings dekorierte Lippen, die mehr und mehr den Schönheitsidealen des Marktes unterworfen werden.

Die Möglichkeiten der Schönheitschirurgie in genitalen Bereichen sind vielfältig. Ist die Haut faltig und weich, ist ein »Vagina-Lifting« angesagt. Schon der Begriff ist falsch, da die Vulva gemeint ist. Schamhügel werden aufgepolstert, der Scheideneingang verengt oder erweitert, je nach Bedarf. Die inneren Schamlippen sollen von den äußeren verdeckt und umschlossen werden, anstatt keck hervorzublitzen. Sie lassen sich operativ beschneiden, äußere Schamlippen werden aufgeplustert oder gestutzt.

Wenn mit blitzenden Messern Haut und Muskeln bearbeitet werden, bleibt immer ein Risiko. Durchtrennte Nerven oder Blutergüsse können die feinen Strukturen zerstören, die für das Lustempfinden der Frau wichtig sind. Das komplizierte Zusammenspiel der verschiedenen Teile des weiblichen Genitales ist nicht allen bekannt und wird von Chirurgen oft vernachlässigt. So reichen die weiblichen Schwellkörper in die kleinen Schamlippen hinein und können bei operativen Eingriffen zerstört werden, was die sexuelle Erlebnisfähigkeit beeinträchtigt. Narben bleiben zurück und können Sensibilitätsstörungen und Schmerzen verursachen. Vielen Frauen ist nicht bewusst, dass sie mit dem Eingriff möglicherweise ihre sexuelle Lust den vermeintlichen Körper-Idealen opfern.

Junge Muslimas, die entgegen den Anforderungen ihrer Kultur kein intaktes Jungfernhäutchen mehr besitzen, können sich dieses operativ wieder einsetzen lassen. Eine Hilfe für die Mädchen, eine Abschaffung der erdrückenden Tradition wäre sinnreicher.

Wir lassen uns beherrschen von einem Markt, auf dem es gilt, mit allen erdenklichen Methoden Geld zu verdienen, auch mit der künstlichen Gestaltung des Leibes. Das Selbstwertgefühl der Frauen und Mädchen und zunehmend auch der jungen Männer leidet, da der perfekte Körper fortwährend im Fokus der BetrachterIn liegt, dessen Vollkommenheit jedoch nie erreicht werden kann.

Wer die temporär herrschende Schönheitsnorm nicht erfüllt und ein schwaches Selbstbewusstsein besitzt, wird möglicherweise versuchen, sich nach aktuellen Modevorstellungen zu gestalten, das betrifft in der Regel Frauen aber zunehmend auch männliche Wesen unseres Planeten. Die visuelle Vielfalt geht verloren, das einheitliche Aussehen in Kleidung, Frisuren und Körperformen und jetzt auch ein chirurgisch produziertes Normgenitale werden zur Regel.

Was kommt als nächstes? Werden Frauen sich den Bizeps verkleinern oder die Zähne rot färben? Lassen wir uns überraschen.

Gundula Pause

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