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"Kritische Masse"

Ein Blick auf die Künstlerinnen der diesjährigen Jubiläumsausstellung der Darmstädter Sezession

Zum Gründungsbeginn am 8. Juni 1919 war die Darmstädter Sezession bis auf die Künstlerin Herta Michel eine reine Männerveranstaltung. Heute bereichern mehr als 30 Künstlerinnen auf vielfältige Art und Weise diese Künstlervereinigung. Das wird auch sichtbar anlässlich der großangelegten Ausstellung auf der Mathildenhöhe. Für das 90jährige Jubiläum durften sich alle Mitglieder an der großen Ausstellung beteiligen. Die so entstandene »kritische Masse« wird gleich im ersten Raum gebündelt: ein Werk jede/r KünstlerIn neben dem anderen wird in bester Petersburger Hängung an der Stirnseite präsentiert und visualisiert gleich zu Beginn völlig unterschiedliche künstlerische Richtungen.

In den anschließenden Hallen gelingt es den KuratorInnen erstaunlich gut, in die Vielfalt Klarheit zu bringen. Neben postimpressionistisch anmutenden Parklandschaften hängt eine neue Arbeit Mirja Nicola Ruhmkes. Sie ist jüngstes Mitglied der Sezession und hatte sich vor zwei Jahren mit Glasmalerei beworben. Nun schlägt sie neue Wege ein. Entsprechend ist auch der Titel ihrer Schwarz-Weiß-Arbeit: »Auf dem Tisch einschlafen und Neuland begehen«. Erwartungsgemäß konzeptionell sind die Arbeiten von Vera Röhm. Ihrem Druck »729 Schattenmodule« entspricht ein dreidimensionaler Würfel, der samt Schatten auf dem Boden lagert. Julia Philipps monochrome Flächen tragen den bedeutungsvollen Titel »Lust auf mehr«.

Die Konzeptkünstlerin Serena Amrein ist dieses Jahr als Gast dabei. Sie zeigt zurückgenommene Arbeiten, die wie Zeichnungen wirken. Sie entstehen aber nicht im Malprozess, sondern indem sie mit Graphit bestäubte Fäden vor einer Leinwand gespannt und geschnellt werden. Fast abstrakt wirken dagegen die Digitaldrucke nach Tuschezeichnungen von Lisa Stybor.

Konkreter wird es mit der Malerei der jungen Berlinerin Elisabeth Weckes. Auf ihrer großformatigen »Road to Nowhere« krabbeln Insekten an allen Ecken und Enden. Experimenteller arbeitet Margaretha Hesse, die mit Schellack und Farblack zwei transparent anmutende Bilder hintereinander bringt und amorphe Formen entstehen lässt. Die 85jährige Ute Brinckmann-Schmolling überrascht mit ihrer neuen Arbeit, einer Collage auf Kunstdruckpapier.

Ludmila Seefried-Matejkova bemalt Terrakotten und verblüfft diesmal mit einer Arbeit, in die sie einen Baumstamm integriert. Bildhauerisch arbeitet auch Sigrid Siegele. Seit sie Kunst macht arbeitet sie gern mit unbearbeitetem Ziegel: Hier sind es zwölf Positionen aus demselben Block, und es gelingt ihr dem Material immer wieder etwas Neues abzuringen.

Unter den diesjährigen 300 BewerberInnen konnte sich Nicola Jana als Preisträgerin durchsetzen. Ihre Arbeiten aus Edelstahl, Aluminium und Acrylfarbe bewegen sich zwischen Malerei und Plastik Und haben die Jury am meisten überzeugt.

Julia Reichelt

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