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Frauen & Geld:

»gender pay gap«

Deutschland im oberen Drittel

In den letzten zehn Jahren haben junge Frauen die besseren Schulabschlüsse. Fast 40 Prozent der Schulabgängerinnen erlangen die Hochschulreife, drei Prozent weniger bei den Jungen. Auch finden wir einen Frauenüberschuss bei der mittleren Reife, wogegen mehr Jungen als Mädchen nur einen Hauptschulabschluss schaffen (28 Prozent Jungen gegenüber 22 Prozent Mädchen).

Bei diesen guten Schulergebnissen liegt der Schluss nahe, dass junge Frauen im Berufsleben mittlerweile den Männern das Wasser reichen können. Sie leisten genauso viel und die Berufstätigkeit von Frauen hat in den letzten Jahren zugenommen. Der unterschiedliche Verdienst spricht eine andere Sprache.

Gender Pay Gap (GPG) beschreibt die Lücke zwischen den Einkommen der beiden Geschlechter. Im europäischen Vergleich der BerufsanfängerInnen bis drei Jahre liegt Deutschland mit einem GPG von 17 Prozent im oberen Drittel, nur überholt von Polen (26 Prozent) und Spanien (30 Prozent). Dänemark und Belgien liegen mit einem GPG von unter zehn Prozent am niedrigsten.

Entgegen der Vermutung, dass mit den Berufsjahren der Unterschied geringer wird, wächst der GPG in der Gruppe mit mehr als vier und weniger als elf Berufsjahren auf 21,8 Prozent. Auch nach Berufsgruppen betrachtet sehen wir Unterschiede: weniger als 10 Prozent in den Datentechnik-Berufen aber bis zu 20 Prozent und mehr in den Berufen der Nahrungsmittelverarbeitung.

Die »neuen« Bundesländer Deutschlands blicken auf eine Tradition aktiver weiblicher Berufstätigkeit zurück, was sich in einem kleineren Gender Pay Gap (16,2 Prozent) niederschlägt. Mit der Berufserfahrung nimmt dieser sogar noch ab.

Eigentlich steht bei gleicher Leistung beiden Geschlechtern gleich viel Lohn und Gehalt zu, aber Frauen verdienen weniger als Männer. Am größten ist der Abstand zwischen Frauen und Männern in Deutschland mit 23,8 Prozent in der Altersgruppe ab 46 Jahren.

Teilzeitarbeit, Kinderpausen und das traditionelle Rollenverständnis leisten ihren Beitrag zu dem geringeren Einkommen der Frauen. Mit zunehmender gelebter Gleichberechtigung der jüngeren Generation und der weiblichen Teilnahme an der Erwerbsarbeit wird es Zeit, dass der Gender Pay Gap zum schmelzen gebracht wird.

Gundula Pause

Quelle:
R. Bispinck/H. Dribbusch/F. Öz: Geschlechtsspezifische Lohndifferenzen nach dem Berufsstart und in der ersten Berufsphase (pdf). Eine Analyse von Einkommensdaten auf Basis der WSI-Lohnspiegel-Datenbank in Deutschland und im europäischen Vergleich, BMFSFJ-Publikationen 2009.

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