Werden Sie auch eine

MATHILDE

Dagmar Hoffmann - Gesundheitsbeauftragte des Landkreises Darmstadt-Dieburg

Jede Krankheit spricht eine Sprache

Betriebliches Gesundheitsmanagement gibt es in vielen Verwaltungen Aber die Stelle der freigestellten Gesundheitsbeauftragten, wie wir sie haben, ist meines Wissens einzigartig., sagt Dagmar Hoffmann (54). Seit 2004 hat die ganzheitliche Gesundheitsberaterin, Heilpraktikerin und Heilgymnastik-Trainerin dieses Amt inne. Für 1300 Mitarbeiter ist sie zuständig – das sind die Beschäftigten des Kreishauses Kranichstein, der Außenstelle Dieburg sowie die Schulbediensteten und Mitarbeiter der Erziehungsberatungsstellen. 2009 wurde die Kreisagentur für Beschäftigung angegliedert.

Auf Hoffmanns Tisch im atmosphärisch angenehmen Büro steht der Krug mit Wasser, in dem heilende Mineralien schwimmen (»Glück ist, wenn man von einem Glas Wasser trunken wird«). Taschentücher liegen bereit. »Mein wichtigstes Utensil«, betont Hoffmann. Tränen des Zorns, der Erschöpfung oder Ratlosigkeit werden viele geweint. »Männer kommen mit manifesten Krankheiten zu mir, Frauen gehen ihrem Unwohlsein bereits präventiv nach«, sagt Hoffmann. Noch aber klopfen längst nicht alle Mitarbeiter der Verwaltung an ihre Tür. »Tendenz steigend. Unser neuer Landrat Klaus-Peter Schellhaas will vor allem über die Führungskräfte noch mehr Beschäftigte motivieren.«

Was an Hoffmann herangetragen wird, ist vertraulich. »Das ist eine wichtige Voraussetzung, wenn Gespräche unter die Oberfläche dringen sollen. Mein wichtigstes Instrument ist die Achtsamkeit. So versuche ich, Menschen zu sich selbst zu führen.« Kommen Mitarbeiter in ihre Beratung, denen die Stimme weg bleibt, fragt sie: »Was macht dich so sprachlos?« Leidet jemand unter chronischen Bauchschmerzen, heißt es: »Was ist es, das dir so unverdaulich erscheint?« Hoffmann unterstreicht: »Jede Krankheit spricht eine Sprache.«

Hoffmann wirkt ruhig und kompetent. Sie strahlt Stärke aus, lacht herzlich. Sie weiß, wovon sie spricht: 1994 erkrankte sie an Krebs, überstand eine schwere Operation, die ihr Leben nachhaltig veränderte. »Ich weiß heute, Türen öffnen sich, je dichter du zu dir selbst kommst. Das Leben führte mich ins Netzwerk ganzheitlicher Medizin und ich bin heute dankbar für die Krankheit – sie hat mich wach und bewusst gemacht«, erzählt sie.

Um fünf Uhr morgens steht Hoffmann auf und radelt vom Wohnort im Ober-Ramstädter Ortsteil zur Arbeit. »Im Winter, wenn Frost ist, nehme ich den Bus«, setzt sie hinzu. Das eigene Auto bleibt meistens stehen. »Ich bin Teil des Ganzen. Umwelt und Innenwelt stehen in Wechselwirkung. Respekt meint mich und alles um mich herum mit«, sagt sie.

Die Hälfte ihrer Arbeitszeit machen Beratungen aus, die andere Hälfte betrifft konzeptionelles Arbeiten. Hoffmann organisiert Fortbildungen und Vorträge von ganzheitlichen Medizinern, Fitness-Seminare und Entspannungskurse und hat den jährlichen Gesundheitstag in Zusammenarbeit mit einer Krankenkasse ins Leben gerufen.

»Wer teilnimmt, ist nachweislich motivierter, stressfreier und weniger krank.« Kurse und Vorträge finden nach Dienstschluss statt, sind teils kostenfrei oder werden anteilig von den Kassen getragen. Besonders freut sich Hoffmann auf die Trainingsstunden, die sie selbst leitet: »Es ist südkoreanische Heilgymnastik – sie heißt ›KiDoInbob‹. Atemtechnik, Meditation und Bewegung bringen Körper, Geist und Seele ins Gleichgewicht«, erklärt Hoffmann. In der Tat: Diese energievolle Balance strahlt sie aus.

Charlotte Martin

zurück

MATHILDE