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Hannah Höch

Hannah Höch wurde 1889 in Gotha geboren und kam "aus gutbürgerlichen Kleinstadtverhältnissen abzweigend, zum Studium der Malerei nach Berlin". Sie gehörte bald darauf, durch ihre Liaison mit Raoul Hausmann, zum Dada-Club in Berlin.

Gleichberechtigung war zwar im Wortschatz der Berliner Avantgardisten vorhanden, der Alltag sah anders aus. Hans Richter, der häufig an Aktionen teilnahm, schrieb 1964 über Hannah: "An den ersten Dada-Veranstaltungen in Berlin hat sie außer mit ihren Collagen kaum teilgenommen. Ihr Stimmchen wäre sowieso von dem Tosen ihrer männlichen Kommilitonen überdröhnt worden. Aber als Vorsteherin der Atelier-Abende bei Hausmann war sie unentbehrlich, sowohl durch den grellen Kontrast ihrer leicht klösterlichen Grazie zu dem Schwergewichtsanspruch ihres Meisters, als auch durch die belegten Brötchen mit Bier und Kaffee, die sie trotz Geldmangel auf irgendeine Weise hervorzuzaubern verstand... Ein tüchtiges Mädchen!"

Ein tüchtiges Mädchen war sie fürwahr, sorgte sie doch durch Nebenjobs während der Studiums und während er Dada-Aktivitäten 10 Jahre lang für den Lebensunterhalt von sich und Raoul Hausmann. Tüchtig war sie wohl auch, als sie, trotz ihrer "klösterlichen Grazie" nacht in ihrem Garten Kisten voller Dokumente und "entarteter Kunst" vergrub. Werke von Schwitters, Grosz, Hartfield und Hausmann wurden dadurch dem Zugriff der Nationalsozialisten entzogen. Trotz Hausdurchsuchungen und Vorladungen hielt sie durch. Die Bevormundung der Männerwelt musste sie recht drastisch am eigenen Leib erfahren: Hausmann verbot ihr zeitweise die künstlerische Tätigkeit und sperrte sie in eine Dachkammer ein. Hannah Höch ging aber nicht unter.

Trotz aller Widrigkeiten schuf sie ein eigenständiges Werk, das sie auch zwischen den Bombenangriffen im zweiten Weltkrieg nicht vernachlässigte. Ihre Träume realisierte sie mit der Schere. Die Collagen und Fotomontagen haben etwas von Schwerelosigkeit an sich, die beugen sich dem Gesetz der Schwerkraft nicht. Leider erreicht sie der Ruhm erst spät, sie erlebte jedoch noch, von 1974 an, die großen Retrospektiven ihres Werkes in Berlin, Paris, Lodz und New York

Barbara Obermüller, Sabine Schiner

Literaturverzeichnis:

  • "Hannah Höch", Herausgeber G. Adriani, DuMont Buchverlag, Köln 1980

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