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Frauen und Gewalt

Redaktionsschluss
für Heft 167:
20. Juli 2020

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Inhalt der neuen Ausgabe

Viel zu selten ist der ”Engel in weiß” in anerkannten Positionen eine Frau

Foto: Pixabay

Editorial

Gender & Medizin

(LL) Die Zeiten, in denen die Medizin derart männlich geprägt war, dass krude Vorannahmen und unhaltbare Studien zu Diagnosen von ”Frauenkrankheiten” wie der ”Hysterie” führten, sind glücklicherweise vorbei. Schon lange gehören Charaktereigenschaften wie Launenhaftigkeit, Verlogenheit, Nymphomanie oder Frigidität nicht mehr zum psychiatrischen Bild der weiblichen Patientin. Bye bye Dr. Freud, hallo gendergerechte Medizin? Von wegen!

Auch heute ist der Mann in der Medizin die Norm, ob es sich um psychologische oder körperliche Diagnosen handelt. Studien werden z.B. immer noch als allgemein gültig anerkannt, auch wenn keine Frauen daran teilgenommen haben. Die Folge: ein immenser Gender Data Gap, eine riesige Datenlücke, die in der Forschung klafft. Im Ergebnis bleiben geschlechtsspezifische Fragen von Gesundheit und Krankheit unberücksichtigt oder unterbeleuchtet – wie sich Depressionen und Herz-Attacken unterschiedlich äußern oder Alkohol anders wirkt.

Dabei braucht es gerade einen genaueren Blick auf ”Frauenkrankheiten”: Fibromyalgie, Endometriose, Migräne und PMS sind nur einige Beispiele, die bis heute mehr oder weniger eine Black Box sind. Aber können wir gendergerechte Forschung nicht überhaupt gleich streichen? Eigentlich dürfen Frauen doch gar nicht krank werden, schon gar nicht, wenn sie ihre Rolle als Mutter auszufüllen haben. Das meint zumindest die Pharmabranche und transportiert diese Botschaft unverhohlen durch ihre Werbung. Dabei ist die Rolle von Frauen in der Medizingeschichte unbestritten: Priesterinnen, Zauberinnen und Ärztinnen prägen das medizinische Wissen der Menschheit von jeher. Um diese Pionierinnen der Heilung geht es in dieser MATHILDE außerdem – etwa um die ersten Ärztinnen Deutschlands, Josepha von Siebold, Charlotte Heidenreich von Siebold und Dorothea Erxleben, die im 18. und 19. Jahrhundert lebten und wirkten. Als erste afroamerikanische Ärztin in New York wiederum wurde May Edward Chinn zur Expertin für Krebsfrüherkennung. Und auch um einen weiteren Namen kommt frau nicht herum, wenn es um weibliche Heilerinnen geht: Hildegard von Bingen, die mit der Kraft der Natur Medizingeschichte schrieb. Auch dank dieser Frauen war die Medizin das erste Studium, zu dem Studentinnen zugelassen waren.

Obwohl diese Vorkämpferinnen den Weg geebnet haben für spätere Gesundheitsexpertinnen, Ärztinnen und Pflegerinnen, sind wir von Gleichberechtigung in diesem Feld weit entfernt. Denn wer ”systemrelevant” ist, aber mehr Applaus als Bezahlung erhält, das zeigt die Corona-Krise zur Zeit mit voller Wucht: Es sind vor allem unterbezahlte Frauen in den Gesundheitsberufen, die das System am Laufen halten, aber selbst unter äußerst prekären Arbeitsbedingungen leiden. Was wird bleiben von dem Jubel, wenn die Krise vorbei ist? Wir hoffen: mehr als nur Anerkennung auf symbolischer Ebene. Bleiben Sie gesund!

Ihre MATHILDE-Redaktion

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